Mit ihrem Vorschlag zur Einführung von Bildungskonten wollen Gabriele Behler und Jürgen Zöllner Studiengebühren ab dem ersten Semester verhindern und den Hochschulen neue Wettbewerbsanreize bieten. Tatsächlich geht dieser neue Vorstoß an den Problemen von Studierenden und Hochschulen vorbei. "So lange Studierende durch den Zwang zum Jobben neben dem Studium und fehlende Kapazitäten für Lehre und Prüfungen an den Hochschulen zu längeren Studienzeiten gezwungen werden, ist eine Debatte über die Einführung von Gebühren jeglicher Art schlicht zynisch", so Frank Herrmann von der GEW. "Bund und Länder dürfen sich nicht durch das blinde Vertrauen auf Wettbewerb im Bildungsbereich aus ihrer öffentlichen Verantwortung für ein funktions- und leistungsfähiges Bildungssystem stehlen."
Auch wenn der Vorstoß von Behler und Zöllner bisher die moderateste Forderung nach Gebühren für sogenannte Langzeitstudierende in Kombination mit einer nachfrageorientierten Hochschulfinanzierung ist, werden damit bestehende Probleme verschärft. So sollen Belohnungen in Form von gesparten Gutscheinen für spätere Weiterbildungsangebote und Aufbaustudiengänge an eine schnelle Studienzeit gekoppelt werden. Dadurch werden jedoch wieder Studierende mit Kindern und jobbende Studierende benachteiligt. "Ein genauer Blick auf den Vorschlag zeigt, dass es mit der Großzügigkeit von Behler und Zoellner nicht weit her ist. Letztendlich bleibt es bei einer Benachteiligung von Studierenden mit Kindern und von Studierenden aus einkommensschwachen Bevölkerungsschichten," so Frank Herrmann
Vor jeder Diskussion über Wettbewerb im Hochschulbereich und Gebühren für Studierende muss zunächst die Studierfähigkeit an den Hochschulen gewährleistet werden. Dazu gehören eine angemessene Ausstattung der Hochschulen mit Personal- und Sachmitteln sowie eine Ausbildungsförderung für Studierende, die ihren Namen auch verdient. "Vor dem Wettbewerb muss die Wettbewerbsfähigkeit stehen. Hochschulen müssen hinsichtlich ihrer Ausstattung mit gleichen Chancen versehen werden. Gleiches gilt für die Studierenden. Wer schnell und gut studieren soll braucht auch die entsprechenden Rahmenbedingungen."
Frank Herrmann
Landesausschusses der Studentinnen und Studenten in der GEW NRW
Frank Herrmann Goebenstr. 10 45139 Essen Tel: 0201/273657
Mail: F-Herrmann@web.de