PISA-Ergebnisse

Bonn, den 05.12.01

Wir brauchen besser ausgestattete Kindergärten, Ganztagsbetreuung für Schulkinder und Leseförderung

Nach einer ersten Sichtung der veröffentlichten Ergebnisse der PISA-Untersuchung erklärt der Stadtverbandsvorsitzende der Bildungsgewerkschaft in Bonn, Joachim von Maydell:

Nicht immer wird in der aktuellen Diskussion deutlich, weshalb die deutschen 15jährigen im internationalen Vergleich so schlecht abschneiden; schon ist wieder der Ruf nach höheren Leistungsanforderungen in den Gymnasien zu hören. Dabei belegen die im OECD Vergleich mit 582 Punkten für die Lesefähigkeit einen (un-)heimlichen Spitzenplatz - der Abstand vor Spitzenreiter Finnland (546) ist kaum geringer als dessen Abstand zum OECD-Durchschnitt von 500 Punkten - natürlich ein irreführender Vergleich, tatsächlich sind die oberen Leistungsstufen in Finnland viel stärker vertreten als in Deutschland, andererseits ist ihre Häufigkeit bei den deutschsprachigen Kindern in Deutschland insgesamt völlig normal. Als Gymnasiallehrer gibt mir aber zu denken, auf wessen Kosten diese Leistung des deutschen Systems geht: nämlich zu Lasten der Kinder aus Migrationsfamilien, denen zu Hause keine deutschen Sprachkenntnisse vermittelt werden. Wesentliche Gründe für das Lesedefizit sieht die Studie auch darin, dass Deutschland auch bei den Kindern, die in ihrer Freizeit nicht gerne lesen, mit 42 % den Spitzenplatz belegt.

Für Bonn bedeutet dies: Das Recht auf einen Kindergartenplatz muss in gut ausgestatteten Einrichtungen realisiert werden, Gruppengrößen von 25 und mehr sind für Kinder, die besondere sprachliche Förderung brauchen, nicht hinnehmbar. Ganztagsangebote müssen besonders für Grundschulkinder viel umfassender bereitgestellt werden. Statt über die Schließung von Stadtteilbüchereien ist darüber nachzudenken, wie diese für die Förderung des Leseinteresses von Kindern noch besser genutzt werden können.

PISA bestätigt die Berechtigung alter GEW-Forderungen wie der nach besserer Ausstattung der Grundschulen und strikter Einhaltung einer Klassengröße von höchstens 25 Kindern, Sonderkonditionen für die Hauptschulen, Ganztagsschulen als Regel statt als Ausnahme.

Die Förderung sozial benachteiligter Kinder ist der Bereich, in dem das deutsche Schulsystem im internationalen Vergleich völlig versagt; konkret ist das ein Versagen Deutschlands als Einwanderungsland. Dieser Skandal gehört in den Mittelpunkt der Diskussion über PISA, alle anderen Aspekte sind dem gegenüber nachrangig.

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