Bonn, den 27.03.07
„Bonn ist Spitze!“ Diese von Bonner Lokalpolitikern gern benutzte Formel trifft zu - leider auch bei der Abweisung von Anmeldungen für die Gesamtschulen. In den ersten 7 Jahren des neuen Jahrtausends hat es Bonn geschafft, regelmäßig den Spitzenplatz in NRW bei abgelehnten Kindern an hiesigen Gesamtschulen zu „produzieren“.
4699 Ablehnungen für Anmeldungen an Gesamtschulen insgesamt seit 2000 – diese Summe schafft in NRW kein anderer Schulträger, sei es Kreis, Stadt oder Gemeinde. (Quelle: www.ggg-nrw.de77r5t). „Unter den in diesem Jahr abgelehnten Kindern sind 16 mit uneingeschränkter und 22 mit sogenannter ,eingeschränkter Gymnasialempfehlung’ – zusammen 38, wenn man also ein Drittel Gymnasialempfehlungen verlangt, ist eine vierzügige Gesamtschule mit 114 statt der ohnehin schon geizig angesetzten gesetzlichen Mindestzahl von 112 Kindern einzurichten.“ meint der GEW-Stadtverbandsvorsitzende Joachim v. Maydell. „Alle Versuche der letzten Jahre, den ständig steigenden Überhang klein zu reden, haben nichts an dem dramatischen Missverhältnis geändert. Die Behauptungen der Schulverwaltung und des Ministeriums, eine notwendige Leistungsheterogenität sei bei den abgelehnten Bewerbungen nicht gewährleistet, entsprechen nicht den von der Stadt vorgestellten Zahlen.“
Als Realsatire bezeichnet Maydell die Bewertung der Unterschriftensammlung der Elterninitiative seitens der Stadt: „Man stelle sich einmal vor, es gäbe ein Unterschriftensammlung für die Erhaltung der letzten Hauptschule in Bonn; wer würde den Wohnsitz der Unterzeichnenden prüfen, bevor er ihren politischen Willen ernst nimmt? Zuallerletzt wohl die Partei unseres Ministerpräsidenten und unserer Schulministerin!“
Auch die schulpolitische Perspektive der Verwaltung wird von der Bonner GEW nicht geteilt. Dazu Dirk Prinz, Sprecher der Gesamtschullehrerinnen und -lehrer in Bonn und Mitglied der Personalvertretung beim Schulministerium: „Eine Schule ohne Oberstufe, wie Sie die OB jüngst avisierte, lässt genau die leistungsstärkeren Schüler außen vor, die angeblich zur Neugründung einer weiteren Gesamtschule fehlen! Wer „eine Schule für alle Kinder“ in NRW will, wie auch die SPD seit kurzem betont, darf sich nicht in lokalpolitischer Verantwortung leisten, genau diese in Bonn zu verhindern!“